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ESSEN MITTENDRIN

Eiskalt gewonnen

WM-Finale beim Polar Soccer

Samstagnachmittag in der Essener City. Das bedeutet für die meisten Leute „Shoppen, bis der Anhang streikt“. Doch neben denen, die stolz ihre neuen Errungenschaften in Tüten und Taschen durch die Stadt tragen, frönt eine lautstarke Gruppe Menschen auf dem Kennedyplatz einem anderen Hobby. Am Nordende der Eisbahn von ESSEN.ON ICE. kochen die Emotionen jenseits der Bande, da wird trotz aller Kälte mitgefiebert, angefeuert und lautstark verzweifelt, wenn der Ball daneben geht. Denn nur ein paar Meter vom Shoppingtrubel entfernt, werden hier die Finalspiele der Polar Soccer-WM ausgetragen.

Auf der Eisbahn drehen Schlittschuhläufer gut gelaunt ihre frostigen Runden. Gleich nebenan geht es heiß her, oder kalt, wie man’s nimmt. Hier wird Fußball gespielt, auf Eis. Mit jeweils vier Mann pro Team bewegen sich die Polar Soccer-Mannschaften beeindruckend vorsichtig auf dem Eis. Die Fläche ist spiegelglatt und außer der beachtlich anmutenden Eishockeykluft mit Helm, tragen die Spieler ganz normale Turnschuhe.

Dies hat zur Folge, dass die Schnelligkeit eines gewöhnlichen Fußballspiels hier vergeblich gesucht wird – und doch geht dann plötzlich immer alles ganz schnell. Schnell ist der Ball auf der gegnerischen Seite, denn das Feld ist nicht groß. Noch schneller liegen die Kontrahenten zu einem Haufen gestapelt auf dem Eis, in Posen, die entweder jahrelange Yogapraxis vermuten lassen oder sehr schmerzhaft sein dürften.

Die unglaubliche Spannung dieser nur zehn Minuten dauernden Partien, liegt in diesen Momenten, in denen alle Spieler versuchen sich auf den Beinen zu halten, oder wieder auf dieselben zu kommen, und gleichzeitig der Ball ein Eigenleben entwickelt. Denn im Gegensatz zu den Spielern bewegt der sich auf Eis besonders schnell. Und dann können alle nur zusehen, wie der Ball ins Tor rollt und niemand ist in der Lage hinterher zu sprinten und ihn aufzuhalten. Das hat etwas sehr Skurriles, das – hat man sich einmal an die Gegebenheiten gewöhnt – den Reiz des Spiels ausmacht.

Als wir dazu stoßen spielen die Frohnhauser Löwen gerade gegen den TSG Margarethenhöhe. Von der Kommentatorin aus dem Zelt am Ende des Spielfelds lernen wir schnell, dass die Jungs aus Frohnhausen die Neulinge auf dem Feld sind, die "sich echt gut reingekämpft haben, in das Turnier". Das sieht man, denn "die alten Hasen" von der Höhe haben ganz schön zu kämpfen. Isabelle Tummes kommentiert das Geschehen unermüdlich über die Lautsprecher, aus denen dazu Musik für gute Laune sorgt.

Dafür, dass die Löwen zum ersten Mal dabei sind, ist ihr Fanblock ziemlich gut dabei und unterstützt in jeder Minute. Kaum ist Bewegung auf dem Feld, fliegt der Ball auch schon über unsere Köpfe, schnell geduckt, weiter geht’s. "Nach dem Spiel gehen wir aber!", sagt der Mann neben mir zu seinem etwa zwölfjährigen Sohn, dem Tonfall nach nicht zum ersten Mal. Azez kommt aus Essen. Eigentlich wollte er mit seinem Sohn einkaufen gehen, doch dann sind sie beim Polar Soccer hängen geblieben. Wie sie es finden? "Ist schon ganz schön spannend!" sind sich beide einig. Nächstes Jahr kommen sie auf jeden Fall wieder. Vielleicht mit etwas mehr Zeit und weniger auf der Einkaufsliste.

In der Zwischenzeit haben sich die Löwen für das nächste Spiel qualifiziert, noch eins dann sind sie im Finale. Auch die nächste Partie gewinnen sie und schicken die Eisknappen ins heimatliche Gelsenkirchen zurück, beziehungsweise zuvor ins Spiel um Platz drei. Ebenfalls für das Endspiel qualifiziert haben sich die Herren vom EFC Essen. Mit ihrem Sieg haben sie die ESC Oldies ins kleine Finale geschossen.

Am Spiel um Platz drei haben die Spieler sichtlich Spaß, und den hat man auch beim Zuschauen. Nach dem 2:1 für die Gelsenkirchener Eisknappen gelingt dem Torwart der ESC Oldies ein Schuss bis ins gegnerische Tor. Was für ein Anschlusstreffer! Immer abwechselnd gehen nun die Bälle ins Tor, es bleibt spannend. Am Ende liegen zwei Eisknappen, ein Oldie und der Ball im Tor der Knappen. Abpfiff. Die Oldies gewinnen mit 5:3 und holen Bronze bei dieser WM.

Dann laufen die Gladiatoren zum Endspiel ein. Der EFC, langjähriger Turnierteilnehmer und WM-Gewinner aus dem Vorjahr, siegessicher in Rot. Die Frohnhauser Löwen, zum ersten Mal beim Polar Soccer dabei, in blauem Trikot. Beide Mannschaften haben ihre Fangemeinden hinter der Bande. Hier geht es fühlbar weniger um Spaß, sie wollen den Pokal.

Vorsichtig beginnt die Partie, dann das erste Tor für den EFC. Schon muss der erste vom Eis, und ein Tor "fällt". „Das Tor bitte wieder hinstellen!“ klingt es aus dem Kommentatorenzelt. Der EFC nun zwischenzeitlich nur noch zu dritt im Spiel. Zwei Strafstöße später steht es 2:0 für den Titelverteidiger. Da fällt der Anschlusstreffer der Löwen. Der nächste Ball schafft es fast bis in den Eingang des benachbarten Modehauses, da lag wohl ein bisschen Wut mit im Schuss. Doch Balljunge Tommy läuft unermüdlich. Alle Spieler sind noch vor dem Tor des EFC, als das 3:1 auf der anderen Seite fällt. Sogleich erzielen die Löwen das zweite Tor. Dann überschlagen sich die Ereignisse.

Das dritte Tor für die Löwen folgt. Die Nerven liegen blank. Zwei müssen vom Eis, je einer von jeder Mannschaft. "Noch nie haben wir ein Endspiel drei gegen drei gehabt!", tönt der ungläubige Kommentar. Vorbei die Zeit. Nun geht’s ins 7-Meter-Schießen. Als ob die Anspannung auf allen Seiten noch nicht groß genug wäre.

Doch damit's auch richtig rutschig ist, kommt erstmal die Eismaschine und macht das Spielfeld wieder glatt. Der EFC beginnt. Der Torwart der Löwen wird im Tor zurechtgebogen. Mit dem Rücken zum Gegner kniet er auf dem rechten Knie, das linke Bein angewinkelt, Die Arme so weit wie möglich ausgestreckt. In der Montur, eine Herausforderung. Alles richtig gebogen. Alle weg vom Tor. Schuss. Gehalten!

Noch bevor das alle richtig realisieren, sind die Löwen dran. Schuss. Drin! Gewonnen. Weltmeister. Ein verdienter Sieg für die Newcomer.

"Wir sind alle Frohnhauser Jungs, Frohnhauser Jungs, Frohnhauser Jungs…" singen die Sieger, während ein riesiger Pokal auf die Eisfläche geschoben wird. Isabelle Tummes kommt kaum dazu, ihn zu überreichen. Schnell noch ein Foto, dann sind alle weg zum Feiern.

nis

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