Der Turm im Wald

Der Turm im Wald | © Ralf Kaupenjohann

Da steht er immer noch. Der 1890 errichtete Kaminsockel der ehemaligen Zeche "Gewerkschaft Victoria". Die meisten Menschen, die auf dem Wanderweg an ihm vorbeikommen, ahnen nicht, dass sie hier einem frühen Beispiel der Kohleindustrie begegnen.

Auf dem Sockel thronte einst ein geschätzt etwa 45 Meter hoher Ziegelschornstein. Er war vermutlich an das Kesselhaus der Zeche angeschlossen oder diente als Wetterkamin. Er machte also Dreck, den man ungefiltert in die Luft pustete oder gewährleistete mit dem Sog eines im Inneren entfachten Feuers die Belüftung des Schachtsystems mit Frischluft, also mit "gutem Wetter" wie es bergmännisch heißt.

Entweder machte die Elektrifizierung der Zechenindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese Technik überflüssig, weil man nun mit einem elektrischen Gebläse "gutes Wetter" erzeugen konnte oder die Verlegung der Schachtanlage näher an das Deilbachtal und die Demontage der bisherigen Fördereinrichtungen besiegelten das Ende der Bauwerke an dieser Stelle. 1915 reichte die "Gewerkschaft Victoria" bei den Behörden Pläne ein, wonach sie die bestehenden Zechengebäude in Wohnungen und Stallungen für die Bergarbeiter und ihre Familien umbauen ließ. Der Schornstein war zu diesem Zeitpunkt sicherlich schon abgerissen, sonst wäre er vermutlich eingestürzt.

Das Wohnen in der kleinen Zechensiedlung war sicherlich nicht sehr komfortabel: Plumpsklos draußen, fließend Wasser teilweise nur an einer Stelle im Haus, schlechte Isolierung der Häuser. Im Winter war es kalt und ungemütlich. Für die hier lebenden Kinder war es aber ein Paradies. Rodelhänge im Winter, der nahe Wald als Abenteuerspielplatz, "Bandenkriege" mit denen unten von der Straße, geheimnisvolle Orte und verschlungene Pfade.

Aber wer hier wohnte, gehörte nicht zu den Gewinnern. Manche wollten hier weg und gelegentlich ließ nur die Wohnungsnot die Menschen hier bleiben. Aber 1970 wurde dann das letzte Haus geräumt und alles dem Erdboden gleichgemacht.

Heute erinnert fast nichts mehr an dieses Stück Industrie- und Sozialgeschichte. Drei Ruhrgebietskünstler haben für das Projekt "Der Turm im Wald. Wie mit einer Zeche Heimat entstand und auch wieder verschwand" Hörspiele mit Musik entwickelt, die im Sommer 2021 im Inneren des Turmes anzuhören waren und nun auf der Webseite des Turmes (s.u.) zu finden sind. So kam und kommt immer noch nach und nach das Leben der Menschen, ihre Sorgen und Freuden wieder ein Stück ans Tageslicht. Endlich, sagen manche ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner.

Aktuelle Informationen auf der Seite turm-im-wald.kzrme.de

Um zum Turm zu gelangen, folgen Sie ab dem Einstieg "Dattenberg" dem Wanderweg des Sauerländischen Gebirgsverein, der mit einem weißen K im Kreis auf schwarzem Untergrund markiert ist.

Anschrift und Kontakt

Der Turm im Wald

Dattenberg
45257 Essen

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